Mittwoch, 29 Mär 2017
 
 
Mehrfachbelegung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe an LAS PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Sonntag, den 09. Februar 2014 um 13:52 Uhr

Mehrfachbelegung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe an LAS

Raumluftunabhängige Feuerstätten sind Feuerstätten, denen die erforderliche Verbrennungsluft über Leitungen oder Schächte nur direkt vom Freien zu geführt wird und bei denen kein Abgas in gefahrdrohender Menge in den Aufstellraum austreten kann (§ 2 FeuVO). Sie dürfen daher unabhängig von Rauminhalt und Lüftung ihrer Aufstellräume betrieben werden, siehe auch in dem Beitrag über die Prüfung von raumluftunabhängigen Feuerstätten.

Aufgrund von einigen Anfragen befasst sich dieser Beitrag über die Verwendung von raumluftunabhängigen Festbrennstofffeuerungen für die Mehrfachbelegung an eine Abgasanlage.

Leider sind Mehrfachbelegungen von Festbrennstofffeuerstätten ohne Gebläse sehr oft problembehaftet und sicherheitskritisch, raumluftabhängig und auch raumluftunabhängig, da die Wechselwirkungen in allen möglichen Betriebsbedingungen bei allen angeschlossenen Feuerstätten kaum berechnet und bedacht werden können.

Bei den gebräuchlichen Formen des mehrfach belegten LAS handelt es sich i.d.R. um gebläseunterstützte Gasgeräte, deren Gebläse in Zusammenwirken mit der meist vorliegenden Überströmöffnung dafür sorgt, dass die Abgase einwandfrei im Unterdruckbetrieb abtransportiert werden.

Für die Dimensionierung einer mehrfach belegten Abgasanlage gilt DIN EN 13384-2 „Abgasanlagen - Wärme- und strömungstechnische Berechnungsverfahren - Teil 2: Abgasanlagen mit mehreren Feuerstätten“. Diese Norm gilt gemäß Anwendungsbereich u.a. nicht für Abgasanlagen, an die Wärmeerzeuger angeschlossen werden, denen die erforderliche Verbrennungsluft über Zuluftöffnungen oder Zuluftkanäle zugeführt wird, welche sich nicht druckmäßig im gleichen Luftverbund befinden. 

Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe wie z.B. Kaminöfen bzw. Raumheizer nach DIN EN 13240 oder Kamineinsätze / Kachelöfen nach DIN EN 13229 verfügen nicht über ein solches Gebläse. Das LA-System wird zusammen mit der entsprechenden raumluftunabhängigen Feuerstätte zu einer Art "geschlossenem Kreislauf, in dem die entstehende Druckdifferenz zwischen abgasführender Innenschale und frischluftführendem Ringspalt sich "alleine" regulieren muss. Bei einer Feuerstätte kann das funktionieren aber bei zwei angeschlossenen Feuerstätten, die vielleicht auch noch unterschiedlich stark gefeuert bzw. nicht gefeuert werden, können Druckschwankungen auftreten, die eine ausreichende Verbrennungsluftversorgung gefährden, weil eine ausgleichende Unterstützung in Form eines Saugzugebläses oder Verbrennungsluftgebläses fehlt.

Bei einer Mehrfachbelegung von raumluftunabhängigen Feuerstätten an ein Luft-Abgas Schornstein besteht unter anderem das Risiko, dass über die zweite Feuerstätte z. B. eine direkte Verbindung zwischen Luft - und Abgasschacht vorhanden ist. Somit besteht die Gefahr, dass die in Betrieb befindliche Feuerstätte unzulässigerweise Rauchgase über die stillstehende Feuerstätte ansaugt.

Folgende Lösungsansätze gibt es:

Im Falle, dass raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe (ohne Gebläse) für die Mehrfachbelegung an eine Abgasanlage verwendet werden sollen, verlangen die „Zulassungsgrundsätze für die Prüfung und Beurteilung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe (DIBT, Stand Juni 2012)“ dass folgende  zusätzliche Anforderungen nachgewiesen werden müssen:

  1. Verbrennungsqualität (CO und CO2, Abgasmassenstrom, Abgastemperatur bei reduziertem Unterdruck 6 Pa)
  2. Verbrennungsqualität (CO und CO2, Abgasmassenstrom, Abgastemperatur bei erhöhtem Unterdruck von 20 Pa)
  3. "Stillstandskennlinie" der Feuerstätte im Unterdruck-Volumenstrom-Diagramm an mindestens 5 Punkten im Bereich von 5 Pa bis 60 Pa im Abgasschacht.

Diese zusätzlichen Anforderungen sollen gewährleisten, dass bei Druckschwankungen bei geringen und hohen Förderdrücken keine kritischen Zustände und noch eine ausreichend stabile hygienische Verbrennung stattfindet. Die "Stillstandskennlinie" wird für die feuerungstechnische Bemessung der mehrfachbelegten Abgasanlage nach DIN EN 13384-2 benötigt.

In einigen früher datierten allgemeinen bauaufsichtliche Zulassungen für raumluftunabhängige Feuerstätten wurde neben den anderen Voraussetzungen (ausreichende Dichtheit, selbstschließende Feuerraumtür, positive Bemessung der Abgasanlage nach EN 13384-2,..) auch auf eine Mehrfachbelegung unter folgenden Voraussetzungen eingegangen:

  • Es dürfen höchstens 3 raumluftunabhängige Feuerstätten an einen Luft-Abgas-Schornstein angeschlossen werden
  • Die angeschlossen raumluftunabhängige Feuerstätten müssen für eine Mehrfachbelegung geeignet sein (gemäß Angaben des Feuerstättenherstellers), den gleichen Brennstoff verbrennen und nicht motorisch betrieben werden (kein Gebläse und keine automatische Brennstoffzufuhr)
  • Die Nennwärmeleistung jeder Feuerstätten darf höchstens 10 kW betragen
  • Je Geschoss darf nur eine raumluftunabhängige Feuerstätte angeschlossen werden
  • Der Luft-Abgas Schornstein muss für die Mehrfachbelegung zugelassen sein
  • Die Verbrennungsluftansaugung und die Abgasmündung muss sich im gleichen Druckbereich über dem First befinden
  • Der Luft-Abgas-Schornstein muss mit einer Überströmung versehen sein
  • Alle angeschlossenen raumluftunabhängigen Feuerstätten müssen in der gleichen Nutzungseinheit aufgestellt sein (es gibt also nur einen verantwortlichen Betreiber, der die Feuerstätten überwachen muss, auch hinsichtlich ggf. offen stehender Feuerraumtüren, Schwachlastbetrieb, Herausqualmen,...)

Die raumluftunabhängigen Feuerstätten dürfen in Räumen, Wohnungen, Nutzungseinheiten vergleichbarer Größe, aus denen Luft mit Hilfe luftabsaugenden Anlagen (Dunstabzug, Abluft-Wäschetrockner, Warmluftheizungsanlagen, Lüftungsanlagen,...) abgesaugt wird, nur aufgestellt werden, wenn durch zuluftseitige Bemessung sichergestellt ist, dass durch Betrieb der luftabsaugenden Anlagen kein größerer Unterdruck als 8 Pa gegenüber dem Freien im Aufstellraum, der Wohnung oder einer vergleichbaren Nutzungseinheit auftritt.


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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 09. Februar 2014 um 13:56 Uhr