Sonntag, 23 Apr 2017
 
 
Raumluftunabhängige Feuerstätten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Samstag, den 23. Oktober 2010 um 15:40 Uhr

Raumluftunabhängige Feuerstätten für feste Brennstoffe

In den letzten Jahren hat sich auch aufgrund der Vorschriften der Energieeinsparverordnung (EnEV) die Zahl der Niedrigenergie- und Passivhäuser mit luftdichter Gebäudehülle und integrierten Lüftungsanlagen vervielfacht.

Da moderne Niedrigenergie- und Passivhäuser über eine dichte Gebäudehülle verfügen, muss regelmäßig gelüftet werden um Feuchtschäden wie z.B. Schimmel zu vermeiden. Viele Häuser verfügen deshalb über eine kontrollierte Lüftungsanlage, die diese Aufgabe übernimmt. Die Anlage fördert frische Luft in bestimmte Räume ein und saugt Abluft aus anderen Räumen ab. Durch das Absaugen kann ein Unterdruck entstehen, der bei einem gleichzeitigen Betrieb mit einer raumluftabhängigen Feuerstätte gefährliche Gase aus der Feuerstätte in den Wohnraum ziehen kann. Der gleiche Effekt kann auch z.B. von einer Dunstabzugshaube mit Abluft verursacht werden.

Die Kombination von Feuerstätten für Festbrennstoffe mit raumlufttechnischen Anlagen (z.B. kontrollierte Be- und Entlüftungsanlagen) wird in Deutschland im §4 der Feuerungsverordnung (FeuVo) geregelt. Es gibt zwei Lösungswege für den gemeinsamen Betrieb von Feuerstätten für feste Brennstoffen und raumlufttechnischen Anlagen.

  1. Raumluftunabhängiger Betrieb mit einer dafür zugelassenen Feuerstätte. Die Feuerstätte muß über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung als raumluftunabhängige Feuerstätte des Deutschen Instituts für Bautechnik DIBT verfügen. Die Verbrennungsluft muss von außen über eine bauseits zu legende Leitung an den zentralen Luftansaugstutzen der Feuerstätte geführt werden. Hierbei gelten erhöhte Anforderungen an die Dichtheit der Zuluftleitung und der Verbindungsstücke zum Schornstein.
  2. Sicherheitsabschaltung von raumlufttechnischen Anlagen bei gefährlichen Unterdruck. Während des gemeinsamen Betriebs von raumluftabhängigen Kaminöfen und raumlufttechnischen Anlagen (z.B. Dunstabzugshauben) ist durch eine geprüfte und zugelassene Sicherheitseinrichtung (Zulassung des DIBT) zu gewährleisten, dass kein gefährlicher Unterdruck entstehen kann. Dazu muss eine Sicherheitseinrichtung wie z.B. ein Unterdruckwächter eingebaut werden, welcher im Störfall (bei Auftreten von mehr als 4 Pa Unterdruck) die Lüftungsanlage abschaltet.

Gemäß Muster – Feuerungsverordnung (M-FeuVO 2009-06) im § 2 Begriffe, Absatz 2 sind raumluftunabhängige Feuerstätten lediglich Feuerstätten, denen die Verbrennungsluft über Leitungen oder Schächte nur direkt vom Freien zugeführt wird und bei denen kein Abgas in gefahrdrohender Menge in den Aufstellraum austreten kann. Andere Feuerstätten sind raumluftabhängig.

Raumluftunabhängige Feuerstätten sind Feuerstätten, die die für die Verbrennung erforderliche Luft nicht dem Aufstellraum der Feuerstätte entnehmen. Die raumluftunabhängigen Feuerstätten ohne oder mit motorischen Bauteilen sind Feuerstätten, die erhöhte Dichtheitsanforderungen erfüllen und daher unabhängig von Rauminhalt und Lüftung ihrer Aufstellräume betrieben werden dürfen.

Für das Inverkehrbringen von Raumluftunabhängige Feuerstätten für feste Brennstoffe wie z.B. raumluftunabhängige Raumheizer / Kaminöfen, raumluftunabhängige Kameinsätze bzw. Kachelöfen oder auch raumluftunabhängige Pelletöfen / Pelletraumheizer ist in Deutschland gemäß Bauregelliste B, Teil 2 zwingend eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung durch das DIBt, dem Deutschen Institut für Bautechnik notwendig.

Eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung wird nach einer mit positivem Ergebnis durchgeführten Prüfung, die durch eine vom DIBt benannte Prüfstelle erfolgte, und einer positiven Bewertung der Prüfergebnisse auf Antrag vom DIBt ausgestellt.

Erkennbar sind raumluftunabhängige Feuerstätten für feste Brennstoffe an Kennzeichnung mit dem „Ü-Zeichen“ (Übereinstimmungszeichen) mit der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt).

Die Prüfung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe erfolgt auf der Grundlage der "Zulassungsgrundsätze für die Prüfung und Beurteilung von raumluftabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe (07/2002)" als Nachweis der Übereinstimmung mit den Anforderungen für die Erlangung einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung durch das Deutsche Institut für Bautechnik Berlin (DIBT).

Mittlerweile wurde diese Zulassungsgrundsätze überarbeitet. Auf die Anforderungen des neusten Stands 03/2009 der Zulassungsgrundsätze wird hier aus Vertraulichkeitsgründen (noch) nicht eingegangen. Wesentliche Änderungen an die Anforderungen sind aber nicht vorhanden.

Diese Zulassungsgrundsätze gelten für die Prüfung und Beurteilung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe, soweit die Feuerstätten der Beheizung von Räumen oder der Erwärmung von Brauchwasser dienen; sie gelten auch für Feuerstätten mit motorischen Bauteilen, die in den Anwendungsbereich der Neunten Verordnung zum Gerätesicherheitsgesetz fallen und CE-kennzeichenpflichtig sind und aufgrund der Bauregelliste B Teil 2 für die von der Maschinenrichtlinie nicht abgedeckten Anforderungsbereiche nach § 5 Abs. 1 des Bauproduktengesetzes als Verwendbarkeitsnachweis einer allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung bedürfen.

Anforderung gemäß den „Zulassungsgrundsätze für die Prüfung und Beurteilung von raumluftunabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe“

Hauptanforderung ist, dass in keinem Betriebszustand (also auch bei nicht ordnungsgemäßem Betrieb - Fehlerfall) Abgas in gefahrdrohender Menge in den Aufstellraum austreten kann. Voraussetzung für die raumluftunabhängigkeit ist, dass mindestens die Verbrennungsluftzufuhr über dichte Leitungen direkt vom Freien erfolgt und die Bauart der Feuerstätte eine hinreichende Dichtheit gewährleistet.

Für Feuerstätten, wie z.B.

  • Heizkessel für feste Brennstoffe gemäß DIN EN 303-5
  • Herde für feste Brennstoffe gemäß DIN EN 12815
  • Dauerbrandöfen und Kaminöfen (Raumheizer) nach DIN EN 13240
  • Kamineinsätze, Kaminkassetten, Heizeinsätze, Kachelöfen nach DIN EN 13229
  • Raumheizer für Holzpellets nach DIN EN 14785 (Pelletöfen)

gelten hinsichtlich der Anforderungen an die Betriebs- und Brandsicherheit unter Lüftungsbedingungen auch für den raumluftunabhängigen Betrieb die generellen Anforderungen der einschlägigen Normen der Feuerstätte für den raumluftabhängigen Betrieb.

Für den Nachweis der Betriebs- und Brandsicherheit unter Nutzungsbedingungen des raumluftunabhängigen Betriebs müssen zusätzliche Anforderungen erfüllt werden:

  • Die Feuerstätten müssen selbsttätig dicht schließende Türen haben wobei gleichwertige Lösungen zulässig sind.
  • Die Dichtheit (Leckagerate) der Feuerstätte einschließlich der erforderlichen Anschlussleitungen für die Verbrennungsluft und für das Verbindungsstück muss im Anlieferungszustand, nach mechanischer Belastung (6000 Öffnungen/Schließungen für die Feuerraumtür, 1000 Öffnungen/Schließungen für die Aschefallraumtür) sowie nach thermischer Belastung (Nennwärmeleistung, ggf. Kleinlast und Prüfung der Brandsicherheit) bei einem statischen Überdruck von 10 Pa im Inneren der Feuerstätte gegenüber dem Aufstellraum nicht größer sein als 2 m³/h.
  • Der CO-Gehalt darf bei der Prüfung der Nennwärmeleistung nicht größer sein als 1200 ppm (Bezug 13% O2). Das Produkt aus der gemessenen Leckagerate, angegeben in m³/h und dem bei Typprüfung des Ofens ermittelten CO-Konzentration im Abgas, darf den Wert von 2.400 ppm x m³/h nicht überschreiten. Bei der Ermittlung dieses Wertes ist die größte Länge der Verbrennungsluftleitung und deren jeweils vorgesehene Anordnung wie z.B. a) Verbrennungsluftleitung vom freien zur Feuerstätte oder b) Verbrennungsluftleitung vom Luft-Abgas- Schornstein (LAS) zur Feuerstätte zu berücksichtigen.
  • Die für die feuerungstechnische Bemessung der Abgasanlage (Schornstein, Luft-Abgas-Schornstein) erforderlichen Werte sind für die raumluftunabhängige Betriebsweise zu ermitteln.
  • Verbrennungsluftleitungen der Feuerstätten müssen mit einer Absperrklappe versehen sein. Die Klappe muss dichtschließend und die Stellung von Außen erkennbar sein.
Selbstschließende Türen müssen nicht zwingend verriegeln. Solange diese Türen selbständig zufallen, ausreichend dicht anliegen und die Leckageanforderung erfüllen, ist das Schutzziel  erreicht.

Klasseneinteilung der Feuerstätten gemäß den "Zulassungsgrundsätze für die Prüfung und Beurteilung von raumluftabhängigen Feuerstätten für feste Brennstoffe (07/2002)"

Raumluftunabhängige Feuerstätten für feste Brennstoffe werden nach der Abgasabführung, der Verbrennungsluftversorgung und der Bauart der Feuerstätte wie folgt unterschieden:

  • Typ FC41x: Feuerstätte ohne Gebläse zum Anschluss an ein Luft-Abgas-System (LAS). Die Verbrennungsluftleitung vom Luftschacht und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.
  • Typ FC42x: Feuerstätte mit Abgasgebläse zum Anschluss an ein Luft-Abgas-System. Die Verbrennungsluftleitung vom Luftschacht und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.
  • Typ FC43x: Feuerstätte mit Verbrennungsluftgebläse zum Anschluss an ein Luft-Abgas-System. Die Verbrennungsluftleitung vom Luftschacht und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.
  • Typ FC51x: Feuerstätte ohne Gebläse zum Anschluss an einen Schornstein. Die Verbrennungsluftleitung aus dem Freien und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.
  • Typ FC52x: Feuerstätte mit Abgasgebläse zum Anschluss an einen Schornstein. Die Verbrennungsluftleitung aus dem Freien und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.
  • Typ FC53x: Feuerstätte mit Verbrennungsluftgebläse zum Anschluss an einen Schornstein. Die Verbrennungsluftleitung aus dem Freien und das Verbindungsstück zum Schornstein sind Bestandteil der Feuerstätte.

Die Prüfung und Beurteilung der raumluftunabhängigen Feuerstätten muss von einer vom DIBT anerkannten Prüfstelle, wie z.B. TÜV SÜD erfolgen.

Raumluftunabhängigkeit kontra externe Verbrennungsluftversorgung

Externe Verbrennungsluftversorgung
Bei der externen Verbrennungsluftversorgung erfolgt die Zuführung der notwendigen Verbrennungsluft zur Feuerstätte von außen. Mit der externen Verbrennungsluftversorgung sind keine Dichtheitsanforderungen an die Feuerstätte verbunden! Somit besteht die große Gefahr, dass bei Unterdrücken im Raum Heizgase in gefahrdrohender Menge in den Aufstellraum gelangen können oder die Verbrennungsluft für die Feuerstätte aus dem Aufstellraum verwendet wird und somit kritischer Sauerstoffmangel bei dichten Gebäuden entstehen kann.

Zugelassene raumluftunabhängige Feuerstätten können zusammen mit Raumluftbe- und -entlüftungsanlagen betrieben werden. Eine raumluftabhängige Feuerstätte mit/ohne externe Verbrennungsluftzuführung darf jedoch nur mit einer Raumluftbe- und -entlüftungsanlagen betrieben werden, wenn eine entsprechende Sicherheitseinrichtung den gefahrlosen Betrieb sicherstellt.

Die in der allgemeinen bauaufsichtliche Zulassung genannten Verwendungsregeln müssen beachtet und eingehalten werden.

In den meisten Zulassungen für raumluftunabhängigen Feuerstätten ist der Betrieb der Feuerstätte nur zulässig, wenn ein max. Unterdruck von 8 Pa im Ausstellraum gegenüber der Umgebung herrscht. Dies muss durch eine zuluftseitige Bemessung der luftabsaugenden Anlage sichergestellt werden.

Bedienungshinweis:
Achtung, auch bei raumluftunabhängiger Betriebsweise besteht durch öffnen der Feuerraumtür beim Anheizen bzw. Nachlegen von Brennstoff eine Verbindung zum Aufstellraum.
In diesem Fall sollten entweder die Lüftungsanlagen abgeschaltet oder ein Fenster im Aufstellraum geöffnet werden. Dadurch wird das entstehen eines kritischen Unterdruckes im Aufstellraum verhindert.

Vor Kauf und Verwendung von raumluftunabhängigen Feuerstätten sollte mit dem zuständigen Bezirkskaminkehrermeister / Schornsteinfegermeister abgeklärt werden, ob das Gesamtsystem den sicherheitstechnischen und funktionellen Anforderungen genügt.


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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 17:10 Uhr