Mittwoch, 29 Mär 2017
 
 
Niederspannungsrichtlinie 2006/95/EG
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   

Niederspannungsrichtlinie (LVD) - Elektrische Sicherheit

Mehr als ein Jahrhundert nach ihrem Erscheinen entwickeln sich Elektrogeräte zum Vorteil der Gesellschaft stetig weiter. Eine sichere Verwendung aller elektrischen Geräte ist eine Voraussetzung für diese anhaltende Nutzung.

Die Niederspannungsrichtlinie (LVD) ist eine der ältesten Binnenmarktrichtlinien, sie beinhaltet sowohl ein Konformitätsbewertungsverfahren, das für Geräte vor ihrer Vermarktung verwendet wird, als auch wesentliche Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen, die ein elektrisches Gerät entweder direkt oder mittels harmonisierter Standards erfüllen muss.

Die Niederspannungsrichtlinie stellt sicher, dass elektrische Geräte innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen den europäischen Bürgern sowohl einen hohen Schutz bieten als auch von einem Binnenmarkt in der Europäischen Union profitieren können.

Die Richtlinie umfasst alle Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für die in ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen elektrischen Geräte und gewährleistet somit, dass Elektrogeräte sicher sind, wenn sie wie vorgesehen verwendet werden.

Die Niederspannungsrichtlinie – offizielle Bezeichnung: Richtlinie 2006/95/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember 2006 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten betreffend elektrische Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen – ist neben der EMV-Richtlinie das wichtigste Regelungsinstrument für die Sicherheit elektrisch betriebener Geräte.

Elektrische Sicherheit und Feuerstätten für feste Brennstoffe?

Als Grundlage für eine CE-Kennzeichnung sind gemäß Artikel 2, Absatz 2 der für Feuerstätten für feste Brennstoffe geltenden Bauproduktenrichtlinie auch die Bestimmungen aller anderer mitgeltender EG-Richtlinien zu beachten (für Feuerstätten Bauproduktenrichtlinie, ggf. Maschinenrichtlinie, ggf. EMV-Richtlinie, ggf. Niederspannungsrichtlinie, ggf. Druckgeräterichtlinie).

Die harmonisierten Normen für häusliche Feuerstätten für feste Brennstoffe:

  • DIN EN 12815 "Herde für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13240 "Raumheizer für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13229 "Kamineinsätze einschließlich offene Kamine für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 14785 "Raumheizer zur Verfeuerung von Holzpellets – Anforderungen und Prüfverfahren"
  • DIN EN 12809 "Heizkessel für feste Brennstoffe, Nennwärmeleistung bis 50 kW - Anforderungen und Prüfung"
  • DIN EN 15250 "Speicherfeuerstätten für feste Brennstoffe – Anforderungen und Prüfverfahren"

enthalten alle Anforderungen an die elektrische Sicherheit.

Im Falle dass Feuerstätten für feste Brennstoffe elektrische Komponenten besitzen (z.B. Pelletofen / Raumheizer für Pellets nach DIN EN 14785 mit automatischer Pelletbeschickung, Verbrennungsluftgebläse, Zündeinrichtungen oder Kachelofen mit Ofensteuerung oder Konvektionsluftgebläse) ist der Nachweis der elektrischen Sicherheit (Niederspannungsrichtlinie) und der elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Richtlinie, Störaussendung und Störfestigkeit) der Feuerstätte zu führen.

Feuerstätten mit elektronischen Bauteilen / Komponenten können folgende Gefahrenquellen beinhalten:
  • Elektrischer Schlag bei unzureichenden Isolierungen, bei Öffnungen in Schutzgehäusen oder bei zu hohen Ableitströmen sowie bei unterdimensionierten Schutzleiterverbindungen.
  • Brandrisiken bei Bauteileversagen, bei fehlerhaften Verbindungen, beim Versagen zu kleiner Kriechstrecken, bei Überlastung oder mangelhafter/ausgefallener Kühlung, bei Netzüber- oder Netzunterspannung usw.
  • Verletzungen durch rotierende Teile, scharfe Kanten oder mangelnde Standsicherheit
  • Verletzungen durch Explosion oder Implosion
  • Gesundheitsschäden durch zu hohe Emissionen, z. B. Schall, HF-, Röntgen-, Laser-Strahlungen oder toxische Materialien.
Der Nachweis einer Übereinstimmung eines elektrischen Betriebsmittels mit der Niederspannungsrichtlinie wird mittels der Einhaltung harmonisierter Normen erbracht (Art. 5).

Speziell für Feuerstätten mit elektrischen Komponenten wie z.B. Pelletraumheizer gilt:

Nach oben genannten Produktnormen für Feuerstätten für feste Brennstoffe ist der Nachweis der elektrischen Sicherheit entsprechend den Anforderungen der DIN EN 50165 zu erbringen. Die DIN EN 50165 ist jedoch nicht mehr gültig und wurde durch die DIN EN 60335-2-102 abgelöst. Die Übergangsfrist, in welcher die DIN EN 50165 noch angewandt werden darf, ist am 01.04.2009  abgelaufen. Aus diesem Grund muss die Prüfung entsprechend den Anforderungen der DIN EN 60335-2-102 durchgeführt werden.

Die Niederspannungsrichtlinie gilt für „elektrische Betriebsmittel zur Verwendung bei einer Nennspannung zwischen 50 und 1000 V für Wechselstrom und zwischen 75 und 1500 V für Gleichstrom“ mit einigen Ausnahmen. Es sollte beachtet werden, dass diese Nennspannungen sich auf die Eingangs- oder Ausgangsspannung beziehen und nicht auf die Spannung, die innerhalb der Geräte auftreten kann. Für die meisten elektrischen Geräte fallen die Gesundheitsaspekte der Emissionen von elektromagnetischen Feldern auch unter die Niederspannungsrichtlinie.

Die Richtlinie fordert von den Mitgliedstaaten, alle zweckdienlichen Maßnahmen zu treffen, damit die elektrischen Betriebsmittel nur dann in den Verkehr gebracht werden können, wenn sie – entsprechend dem in der Gemeinschaft gegebenen Stand der Sicherheitstechnik – so hergestellt sind, dass sie bei einer ordnungsmäßigen Installation und Wartung sowie einer bestimmungsmäßigen Verwendung die Sicherheit von Menschen und Nutztieren sowie die Erhaltung von Sachwerten nicht gefährden.

Die Umsetzung der Niederspannungsrichtlinie in deutsches Recht erfolgt mit der Ersten Verordnung zum Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (Verordnung über das Inverkehrbringen elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen, GPSGV)

Produktsicherheit

Durch das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) sowie durch die Niederspannungsrichtlinie der EU sind Hersteller und Inverkehrbringer elektrotechnischer Produkte verantwortlich dafür, dass von den Produkten bei bestimmungsgemäßem Gebrauch während der gesamten Lebensdauer keine Gefahren für Leben und Gesundheit von Personen sowie für Sachwerte ausgehen.

Käufer und Verwender von Feuerstätten für feste Brennstoffe mit elektrischen Bauteilen sollten den Hersteller oder Vertreiber der Feuerstätte danach Fragen ob der Nachweis der elektrischen Sicherheit von einer Prüfstelle erbracht worden ist.

Hersteller und Vertreiber von Feuerstätten für feste Brennstoffe mit elektrischen Bauteilen sollten im Rahmen Ihrer Produktverantwortung eine Prüfstelle für den Nachweis der elektrischen Sicherheit der Feuerstätte einschalten.

Eine anerkannte Prüfstelle für die Prüfung der elektrischen Sicherheit nach der Niederspannungsrichtlinie (LVD) von Feuerstätten für feste Brennstoffe mit elektrischen Bauteilen (Pelletöfen DIN EN 14785, Raumheizer nach DIN EN 13240 mit elektronischer Ofensteuerung, oder Kamineinsätze / Kachelöfen nach DIN EN 13229 mit Konvektionsluftgebläse,...) ist z.B. die Feuerstättenprüfstelle des TÜV SÜD in München.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 18:54 Uhr