Mittwoch, 29 Mär 2017
 
 
EMV-Richtlinie 2004/108/EG
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Samstag, den 17. Oktober 2009 um 09:07 Uhr

Richtlinie 2004/108/EG über die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Richtlinie)

"Nicht stören und nicht gestört werden“ – die vereinfachte Devise der EU-Richtlinie für Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV). Wer elektrische oder elektronische Produkte vertreibt, muss die EMV-Richtlinie 2004/108/ EG einhalten.

Jedes elektrische oder elektronische Gerät sendet und empfängt elektromagnetische Wellen. Dabei können diese Störaussendungen die Geräte wechselseitig beeinflussen. Wer kennt nicht die knatternden Geräusche im Radio oder die "gestreiften" Fernsehbilder? Damit dies nicht passiert, unterliegen elektrische Geräte der EMV-Richtlinie und sind entsprechend mit dem CE-Kennzeichen zu markieren.

Die Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) kennzeichnet den üblicherweise erwünschten Zustand, dass technische Geräte einander nicht wechselseitig mittels ungewollter elektrischer oder elektromagnetischer Effekte störend beeinflussen. Sie behandelt technische und rechtliche Fragen der ungewollten wechselseitigen Beeinflussung in der Elektrotechnik.

EMV und Feuerstätten für feste Brennstoffe?

Als Grundlage für eine CE-Kennzeichnung sind gemäß Artikel 2, Absatz 2 der für Feuerstätten für feste Brennstoffe geltenden Bauproduktenrichtlinie auch die Bestimmungen aller anderer mitgeltender EG-Richtlinien zu beachten (für Feuerstätten Bauproduktenrichtlinie, ggf. Maschinenrichtlinie, ggf. EMV-Richtlinie, ggf. Niederspannungsrichtlinie, ggf. Druckgeräterichtlinie).

Die harmonisierten Normen für häusliche Feuerstätten für feste Brennstoffe:

  • DIN EN 12815 "Herde für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13240 "Raumheizer für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13229 "Kamineinsätze einschließlich offene Kamine für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 14785 "Raumheizer zur Verfeuerung von Holzpellets – Anforderungen und Prüfverfahren"
  • DIN EN 12809 "Heizkessel für feste Brennstoffe, Nennwärmeleistung bis 50 kW - Anforderungen und Prüfung"
  • DIN EN 15250 "Speicherfeuerstätten für feste Brennstoffe – Anforderungen und Prüfverfahren"

enthalten alle Anforderungen an die elektrische Sicherheit.

Im Falle dass Feuerstätten für feste Brennstoffe elektrische Komponenten besitzen (z.B. Pelletofen / Raumheizer für Pellets nach DIN EN 14785 mit automatischer Pelletbeschickung, Verbrennungsluftgebläse, Zündeinrichtungen oder Kachelofen mit Ofensteuerung oder Konvektionsluftgebläse) ist der Nachweis der elektrischen Sicherheit (Niederspannungsrichtlinie) und der elektromagnetische Verträglichkeit (EMV-Richtlinie, Störaussendung und Störfestigkeit) der Feuerstätte zu führen.

Nach oben genannten Produktnormen ist der Nachweis der elektrischen Sicherheit entsprechend den Anforderungen der DIN EN 50165 zu erbringen. Die DIN EN 50165 ist jedoch nicht mehr gültig und wurde durch die DIN EN 60335-2-102 abgelöst. Die Übergangsfrist, in welcher die DIN EN 50165 noch angewandt werden darf, ist am 2009-04-01 abgelaufen. Aus diesem Grund muss die Prüfung entsprechend den Anforderungen der DIN EN 60335-2-102 durchgeführt werden.

Die EMV-Richtlinie gibt vor, in welcher Weise die Elektromagnetische Verträglichkeit von elektrisch betriebenen Geräten in den Mitgliedsländern der EU beschaffen sein soll. Gemäß Artikel 1 dieser Richtlinie erstreckt sich die Geltung auf alle elektrischen und elektronischen Apparate, Anlagen und Systeme, die elektrische oder elektronische Bauteile enthalten und die gemäß Artikel 2 elektromagnetische Störungen verursachen können oder deren Betrieb durch diese Störungen beeinträchtigt werden kann.

Unter der Elektromagnetischen Verträglichkeit ist hierbei nach Artikel 2 die Fähigkeit eines Betriebsmittel zu verstehen, in seiner elektromagnetischen Umgebung zufrieden stellend zu arbeiten, ohne dabei selbst elektromagnetische Störungen zu verursachen, die für andere Betriebsmittel in der Umgebung unannehmbar wären.

Unter einer Elektromagnetischen Störung ist nach Artikel 2 jede elektromagnetische Erscheinung zu verstehen, die die Funktion eines Betriebsmittels beeinträchtigen könnte. Dabei kann es sich um ein elektromagnetisches Rauschen, ein unerwünschtes Signal oder eine Veränderung des Ausbreitungsmediums selbst handeln.

Bei der Vermeidung einer elektromagnetischen Störung anderer Betriebsmittel durch ein Betriebsmittel ist ein angemessenes Niveau der elektromagnetischen Verträglichkeit für das Betriebsmittel festzulegen. Die Richtlinie nennt hierzu jedoch keine einzuhaltenden Grenzwerte. Vielmehr ist gemäß Anhang I lediglich festgelegt, dass die von einem Betriebsmittel erreichten elektromagnetischen Störungen keinen Pegel erreichen dürfen, bei dem ein bestimmungsgemäßer Betrieb von Funk- und Telekommunikationsgeräten oder von anderen Betriebsmitteln nicht möglich ist.

Gemäß Anhang II ist eine Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit eines Betriebsmittels durch den Hersteller vorzunehmen. Setzt der Hersteller harmonisierte Normen ein, ist dies der Bewertung der elektromagnetischen Verträglichkeit gleichwertig.

Wie oben erläutert, ist speziell für Feuerstätten mit elektrischen Komponenten zu beachten, dass die Anforderungen an Störaussendung und Störfestigkeit nach EN 60335-2-102, insbesondere Abschnitt 19.11 nachgewiesen werden.

DIN EN 60335-2-102:2010-07 "Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke - Besondere Anforderungen für Gas-, Öl- und Festbrennstoffgeräte mit elektrischen Anschlüssen" behandelt die Sicherheit von Gas-, Öl- und Festbrennstoffbrennern mit elektrischer Ausrüstung zur Anwendung im Haushalt und für ähnliche Zwecke, deren Bemessungsspannung nicht mehr als 250 V für Einphasengeräte und 480 V für andere Geräte beträgt.

Rechtliche Konsequenzen

Die Umsetzung der Richtlinien nach dem New Approach ("Neues Konzept", für die Produktregulierung und das Gesamtkonzept für die Konformitätsbewertung der Europäischen Union) wird in Deutschland kontrolliert durch die staatlichen Marktaufsichtsbehörden (Gewerbeaufsichts- und Arbeitsschutzbehörden), die Unfallversicherungsträger und durch den Markt (Konkurrenten, Kunden, Verbraucherbehörden). Bringt ein Hersteller ein unsicheres Produkt in Verkehr, so kann die Marktaufsichtsbehörde die notwendigen Maßnahmen einleiten, um dies zu verhindern.

Eine anerkannte Prüfstelle für die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit von Feuerstätten für feste Brennstoffe (Pelletöfen DIN EN 14785, Raumheizer nach DIN EN 1320 mit elektronischer Ofensteuerung, oder Kamineinsätze / Kachelöfen nach DIN EN 13229 mit Konvektionsluftgebläse,...) ist z.B. hier zu finden.



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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 18:54 Uhr