Sonntag, 26 Feb 2017
 
 
Druckgeräterichtlinie 97/23/EG
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Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Samstag, den 17. Oktober 2009 um 10:00 Uhr

Richtlinie 97/23/EG über Druckgeräte

Die Richtlinie 97/23/EG (Pressure Equipment Directive (PED) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. Mai 1997 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Druckgeräte), in Deutschland und der Schweiz als „Druckgeräterichtlinie“ (DGRL) bezeichnet, legt die Anforderungen an die Druckgeräte für das Inverkehrbringen von Druckgeräten innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) fest.

Die Druckgeräterichtlinie ist eine von vielen europäischen Harmonisierungsrichtlinien nach Artikel 95 des EG-Vertrages für den freien Warenverkehr. Die Druckgeräterichtlinie ist, wie alle europäischen Richtlinien, an die Mitgliedsstaaten gerichtet und sie muss daher von den einzelnen Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden.

In Deutschland erfolgte dies durch das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) und die darauf basierende Druckgeräteverordnung (14. GPSGV). Bereits seit dem 29. Mai 2002 ist die DGRL in der gesamten Europäischen Union verbindlich.

Die Eingruppierung der Druckgeräte nach der Richtlinie erfolgt neben Druck und Volumen unter anderem auch gemäß der Fluidgruppe und dem Aggregatzustand.

Druckgeräterichtlinie und Feuerstätten für feste Brennstoffe

Die harmonisierten Normen für häusliche Feuerstätten für feste Brennstoffe
  • DIN EN 12815 "Herde für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13240 "Raumheizer für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 13229 "Kamineinsätze einschließlich offene Kamine für feste Brennstoffe - Anforderungen und Prüfungen"
  • DIN EN 14785 "Raumheizer zur Verfeuerung von Holzpellets – Anforderungen und Prüfverfahren"
  • DIN EN 12809 "Heizkessel für feste Brennstoffe, Nennwärmeleistung bis 50 kW - Anforderungen und Prüfung"

enthalten alle Anforderungen an wasserführende Bauteile.

Wesentliche Anforderungen nach oben genannten Produktnormen an Feuerstätten für feste Brennstoffe mit Warmwassererzeugung (wasserführende Bauteile, Wasserwärmetauscher).

Anforderung an

  • Werkstoffe
  • Werkstoffeigenschaften
  • Materialdicke (abhängig von der Leistung und dem zulässigen Überdruck)
  • Schweißverfahren
  • Schweißzusatzwerkstoffe
  • Stutzen der Wandungen (Tiefe und Größe)
  • Entlüftung der Wasserräume
  • Entleerung des Kesselkörpers
  • Festigkeit und Dichtheit
  • Betriebssicherheit (i.d.R. Sicherheitswärmetauscher mit thermischer Ablaufsicherung (TAS) notwendig, Öffnung der Ablaufsicherung < 105 ° Wassertemperatur)
  • Betriebssicherheit bei 2x zulässigem Betriebsüberdruck (keine plastische Verformung zulässig, Dichtheit notwendig)
  • Wasserdichtheit bei Normalbetrieb
  • keine Siedegeräusche
  • Anforderungen an die laufende Fertigungskontrolle (WPK)
  • und vieles weitere

Diese Anforderungen müssen von einer Prüfstelle bei der Erstprüfung im notwendigen Konformitätsbewertungsverfahren zur CE-Kennzeichnung nach den harmonisierten Normen nachgewiesen werden.

Die Druckgeräterichtlinie stellt jedoch weitere Anforderungen die zu beachten sind!

Als Grundlage für eine CE-Kennzeichnung sind gemäß Artikel 2, Absatz 2 der Bauproduktenrichtlinie auch die Bestimmungen anderer mitgeltender Richtlinien zu beachten.

Im Falle, dass Feuerstätten für Festbrennstoffe  wasserführende Bauteile besitzen ist unter Umständen ebenfalls die Druckgeräterichtlinie zu beachten.

Speziell für Feuerstätten mit festen Brennstoffen mit wasserführende Bauteile (Warmwassererzeuger) ist zu beachten, dass bei einem Druckliterprodukt > 50 bar x Liter die Anforderungen der Druckgeräterichtlinie (97/23/EG) zu erfüllen sind. Zusammenfassend ist der Nachweis der Einhaltung der grundlegenden Sicherheitsanforderungen gemäß Richtlinie 97/23/EG vom 29. Mai 1997 gemäß Artikel 3, Abschnitt 2.3 gemäß den Anforderungen des Anhang I, Abschnitt 2.10, 2.11, 3.4, 5a und 5d zu führen.

Grundlegenden Sicherheitsanforderungen:

  • Schutz vor Überschreiten der zulässigen Grenzen des Druckgerätes
  • Anforderungen an Ausrüstungsteile mit Sicherheitsfunktion
  • Anforderungen an Einrichtungen zur Druckbegrenzung
  • Anforderungen an Einrichtungen zur Temperaturbegrenzung
  • Anforderungen an Betriebsanleitung
  • Anforderungen an geeignete Schutzvorrichtungen, um das Risiko einer örtlichen oder generellen Überhitzung zu vermeiden.
  • Anforderungen an eine sichere Abführung von Nachwärme nach einem Abschalten

Die Einhaltung der Anforderungen müssen unabhängige neutrale Prüfstellen wie die Feuerstättenprüfstelle des TÜV SÜD Industrie Service GmbH (Benannte Stelle 0036) mit der Erstellung einer EG-Entwurfsprüfbescheinigung (Modul B1) nach Richtlinie 97/23/EG nachweisen.

Käufer und Verwender von Feuerstätten für feste Brennstoffe mit wasserführenden Bauteilen sollten den Hersteller oder Vertreiber der Feuerstätte danach Fragen ob der Nachweis der Druckgeräterichtlinie von einer akkreditierten Prüfstelle erbracht worden ist.

Hersteller und Vertreiber von Feuerstätten für feste Brennstoffe mit wasserführenden Bauteilen sollten im Rahmen Ihrer Produktverantwortung eine nach der Druckgeräterichtlinie akkreditierten Prüfstelle für den Nachweis der Anforderungen  einschalten.

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 19:00 Uhr