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DIN EN 12815 - Herde PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Dirk Weisgerber   
Samstag, den 15. Mai 2010 um 17:44 Uhr

Erstprüfung nach DIN EN 12815 : 2005-09 „Herde für feste Brennstoffe – Anforderungen und Prüfungen“

Anwendungsbereich

DIN EN 12815 beschreibt Anforderungen an Auslegung, Herstellung, Ausführung, Sicherheit und Leistungsvermögen (Wirkungsgrad und Emission), Anleitung und Kennzeichnung für die Typprüfung von häuslichen Herden für feste Brennstoffe.

DIN EN 12815 gilt für handbeschickte Feuerstätten, deren Hauptfunktion das Kochen und deren weitere Funktion die Beheizung des Aufstellungsraumes ist. Heizungsherde liefern auch erwärmtes Brauchwasser und/oder erwärmtes Wasser für zentrale Heizungsanlagen. Diese Feuerstätten können entweder feste mineralische Brennstoffe, Torfbriketts, Holzbriketts, Holzscheite oder mehrere dieser Brennstoffe nach Anleitung des Feuerstätten-Herstellers verfeuern. DIN EN 12815 gilt nicht für Feuerstätten, die aus einem Vorratsbehälter beschickt, mechanisch betrieben werden oder ein Verbrennungsluftgebläse haben.

Normprüfung

Die Erstprüfung eines Herdes (Festbrennstoffherd, Zeitbrandherd, Dauerbrandherd, Heizungsherd) erfolgt am Prüfstand einer akkreditierten Prüfstelle. Die Erstprüfung erfolgt zum Nachweis der Konformität mit der Produktnorm und ist Bestandteil des Konformitätsbewertungsverfahrens zur CE-Kennzeichnung des Produkts.

Bei dem Prüfgegenstand kann es sich sowohl um einen Prototyp als auch um ein bereits in Produktion befindliches Gerät handeln. Das Gerät muss repräsentativ für die derzeitige bzw. zukünftige Produktion sein.

Nachfolgende wesentliche Prüfabschnitte müssen bei einer Prüfung nach EN 12815 durchgeführt werden:

Leistungsprüfung bei Nennwärmeleistung

Es sind nach einer Vorprüfung 2 separate Prüfabbrände erforderlich. Es werden unter anderem der feuerungstechnische Wirkungsgrad, die Nennwärmeleistung, die Wasserwärmeleistung (falls wasserführende Teile vorhanden sind), die Abbrandzeit und die Emissionswerte (gemäß Norm nur Kohlenmonoxid) ermittelt.

Die einzelnen Prüfabbrände werden nach dem Holz auflegen bei Grundglut gestartet. Beendet ist der Prüfabbrand, wenn wieder Grundglut erreicht worden ist. Eingriffe in die Verbrennungsluftsteuerung sind während der Prüfabbrände nicht zulässig. Mit dem Prüfbrennstoff Scheitholz muss ein Prüfabbrand mindestens 60 Minuten andauern.
Die beiden notwendigen Prüfabbrände müssen vergleichbar sein (Leistungsunterschied < 10%) ansonsten müssen weitere Prüfabbrände durchgeführt werden um die Anforderungen zu erfüllen.

Zusätzlich werden die Temperaturen in der Prüfecke und die Temperaturen von Bedienungsgriffen registriert.

Anmerkung: Die Prüfecke wird um die Feuerstätte aufgestellt und „simuliert“ brennbare Bauteile. Beim vom Hersteller angegebenen Abstand, dürfen die Temperaturen in der Prüfecke (Wände, Boden und Decke und im Strahlungsbereich der Feuerraumtüre) den zulässigen Wert von 65 Kelvin + Raumtemperatur nicht überschreiten.

EN 12815 hat  wie oben beschrieben nur Anforderungen an die Emission Kohlenmonoxid (CO). Viele Länder haben jedoch weiterführende Anforderungen an geringere CO- Werte wie auch Anforderungen an staubförmige Emissionen und/oder Stickoxide (NOx) und/oder Kohlenwasserstoffe (CnHm, OGC). Wichtig ist für die Hersteller, dass bei der Prüfung der Nennwärmeleistung diese Werte von der Feuerstättenprüfstelle erfasst und bewertet werden.

Auf Wunsch kann eine gute Feuerstättenprüfstelle wie z.B. die Feuerstättenprüfstelle des TÜV SÜD in München bei den heiztechnischen Versuchen zusätzlich zu den Normanforderungen auch die Abgaskennwerte NOx, CxHy und Staub messtechnisch erfassen. Damit kann die Feuerstätte hinsichtlich der strengeren leistungstechnischen und/oder emissionstechnischen Anforderungen, welche z.B. für örtliche Bestimmungen gefordert werden (z.B. nach der 1 BImSchV, nach der Brennstoffverordnung der Stadt München oder für Österreich gemäß Art. 15a B-VG), beurteilt werden.

Kochprüfung

Bei der Kochprüfung muss die Temperatur des Wassers in einem festgelegten Prüftopf innerhalb von 15 Minuten nach Prüfbeginn um eine Temperatur von 75 Kelvin ansteigen. Die Prüfung muss bei gleichem Förderdruck wie bei der Prüfung der Nennwärmeleistung ansteigen.

Für Herde ohne Back-/Bratfach werden Reglereinstellungen für die Nennwärmeleistung eingestellt. Falls erforderlich, wird Brennstoff nachgefüllt und das Feuer entascht. Danach muss innerhalb von 30 min nach Prüfbeginn eine Kochprüfung durchgeführt werden.

Für Herde mit Back-/Bratfach wird die Temperatur in der Mitte des Back-/Bratfaches über die 120 min dauernde Kochprüfung auf (230 +- 30) °C gehalten. Falls erforderlich, wird der Brennstoff nachgefüllt und entascht. Insgesamt müssen zwei Kochprüfungen über 2 h durchgeführt werden, eine in den ersten 60 min und die zweite in den zweiten 60 min, jeweils über 15 min.

Backprüfung

Hierbei werden Butterkuchenstreifen durchgebacken und anschließend anhand einer Bräunungsskala bewertet. Mit dieser Prüfung wird die Fähigkeit des Back-/Bratfaches bewertet, Butterkuchenstreifen bei einer vom Hersteller angegebenen Back-/Bratfachtemperatur zufriedenstellend zu backen.

Die Prüfung kann von kalten Zustand aus beginnen oder auf eine andere Prüfung folgen, in jedem Fall ist eine Vorprüfung zulässig, um den Herd vorzuwärmen und die vom Hersteller angegebene Back-/Bratfachtemperatur zu erreichen.

Die Prüfung wird unter Beachtung der Anleitung des Hersteller ausgeführt hinsichtlich des Vorheizens des Back-/Bratfachs (Temperatur und Zeit), der Lage des Backblechs, der Temperatur in der Mitte des Back-/Bratfaches und der Backzeit.

Das Backblech wird in die vom Hersteller in der Bedienungsanleitung der Feuerstätte angegebenen Lage(n) in das vorgeheizte Back-/Bratfach eingeschoben. Während des Backens ist es erlaubt, das Backblech zu drehen oder seine Lage nach den vom Feuerstättenhersteller angegebenen Backanleitungen zu verändern. Die Butterkuchenstreifen werden im Backfach über eine ausreichende Zeit gebacken, so dass sie bis zur Mitte durchbacken können.

Innerhalb 1 h nach dem Entnehmen der Butterkuchenstreifen aus dem Back-/Bratfach wird geprüft, ob die Anforderungen an den Bräunungsgrad der oberen und unteren Flächen der Streifen mit der Bandbreite nach der Bräunungsskala der Norm verglichen.

Prüfung der Schwachlast und des Wiederhochheizens

Wenn eine Feuerstätte gemäß Herstelleranagbe für Schwachlast geeignet ist, muss eine gewisse Mindestbrenndauer eingehalten werden (Dauerbrandfeuerstätten für Scheitholz > 10 h). Am Ende der Schwachlastprüfung muss es möglich sein das Feuer wieder zu entfachen.

Backblechprüfung

Bei dieser Prüfung wird die Neigung des Backblechs gegen die Horizontale (unter Belastung) überprüft. Dabei wird das Backblech zu zwei Dritteln seiner Gesamttiefe herausgezogen. Ein Gewicht 9 kg wird mit Hilfe einer quadratischen Platte gleichmäßig auf den vorderen zwei Dritteln des Blechs verteilt.

Dabei darf der Herd nicht kippen und das belastete Backblech darf sich um höchstens 10° gegen die Horizontale neigen.

Die Prüfung wird für jedes mit der Feuerstätte gelieferte Blech in allen Einschubpositionen durchgeführt.

Back-/Bratfachtürprüfung

Der Öffnungswinkel und der Wert um den die Tür unter Belastung durchhängt werden überprüft.

Die Tür des Backfachs dürfen in geöffnetem Zustand die Öffnung des Back-/Bratfachs nicht einengen und müssen weiter als 90° zu öffnen sein (seitlich klappbare Türen) bzw. nach unten zu öffnende Bachfach-Türen müssen in vollständig geöffnetem Zustand einen Winkel zwischen 85° und 90° zur Vertikalen bilden und in dieser Position verbleiben.

Bei Prüfung mit einem Gewicht mit einer Gesamtmasse von 9 kg darf die Tür nicht mehr als 15 mm durchhängen, und der Herd darf nicht kippen.

Sicherheitsprüfung bei natürlichem Förderdruck

Bei Geräten, die für Dauerbetrieb und für Mehrfachbelegung einer Abgasanlage geeignet sind, wird überprüft, ob der Förderdruck unter bestimmten Randbedingungen 3 Pa unterschreitet. Oder, falls der Förderdruck 3 Pa unterschreitet, darf die Kohlenstoffmonoxidgesamtmenge im Abgas berechnet im Normzustand während eines Zeitraums von weiteren 10 h nach Unterschreiten von 3 Pa nicht mehr als 250 dm3 betragen.

Prüfung der Brandsicherheit

Die Feuerstätte wird in das Prüfeck mit vom Hersteller angegebenen Abständen aufgebaut.
Mit Fichte-Profilholz, als Gitter angeordnet und mit einer Brennstoffmasse die der Nennlastmasse beträgt, wird der Herd solange beschickt bis die Temperaturen in der Prüfecke nicht mehr ansteigen (Beharrungszustand). Die Verbrennungsluftregler werden maximal geöffnet und es wird ein erhöhter Förderdruck eingestellt (mind. 15 Pa). Die Prüfecktemperaturen (Wände, Boden, Decke und Prüfwand im Strahlungsbereich der Feuerraumtüre) dürfen den zulässigen Grenzwert von 65 Kelvin + Raumtemperatur nicht überschreiten.

Druckprüfung für Heizungsherde

Alle wasserführenden Bauteile des Heizungsherdes und seiner Komponenten dürfen nicht undicht oder dauerhaft verformt werden, wenn diese der Druckprüfung und der Prüfung der Nennwärmeleistung unterzogen werden.

Bei der Druckprüfung wird der doppelte vom Hersteller angegeben maximal zulässige Betriebsüberdruck (über mind. 10 Minuten) aufgebracht.
Hierbei dürfen alle wasserführenden Bauteile des Heizungsherdes weder undicht oder bleibend verformt werden.

Prüfung der thermischen Ablaufsicherung

Es wird geprüft, ob die thermische Ablaufsicherung öffnet, wenn eine Umlauftemperatur des Wassers von 105 °C bzw. eine geringere Temperatur gemäß Hersteller erreicht wird.

Die Feuerstätte wird mit Nennlastmasse Prüfbrennstoff befüllt und bei Nennlastförderdruck betrieben.

DIN EN 12815 fordert hier nur eine Ausserbetriebnahme des Thermostaten, eine verantwortungsbewusste Prüfstelle wird aber in der Regel die Umwälzpumpe des Kesselkreislaufs abschalten und den Vor- und Rücklauf absperren (Simulation einer gestörten Wärmeabgabe wie z.B. Pumpenausfall, Pufferspeicher gefüllt, Vereisung...).

Die thermische Ablaufsicherung muss die Kaltwasserzufuhr des geeigneten Sicherheitswärmetauschers so früh öffnen, dass keine Kesselwassertemperaturen > 105 Grad Celsius auftreten.

Desweiteren werden noch weitere Anforderungen gemäß EN 12815 bewertet bzw. zusätzliche Anforderungen überprüft. Dabei handelt es sich um:

Anforderungen an Werkstoffe, Auslegung und Ausführung (z.B. Nenn-Mindestwanddicken von wasserführenden Bauteilen, Überlappung bzw. Einstecktiefe von Abgasstutzen, Fassungsvermögen des Aschekastens etc.).

Anleitungen für die Feuerstätte
Sämtliche gemäß Norm angeführten Punkte müssen in der Aufstell- bzw. der Bedienungsanleitung des Herstellers angeführt sein.

Kennzeichnung
Sämtliche gemäß Norm angeführten Punkte müssen am Typenschild angeführt sein.

Achtung bei Heizungsherden mit wasserführenden Bauteilen muss von der Feuerstättenprüfstelle bei einem Druckliterprodukt > 50 bar x Liter die Anforderungen an die Druckgeräterichtlinie geprüft und bewertet werden. (Beispiel: Druckliterprodukt = 50 bar x Liter bei z.B. 25 Liter Wasservolumen und einem Absicherungsdruck von 2 bar).

(Einhaltung der grundlegenden Anforderungen der Richtlinie 97/23/EG (Druckgeräterichtlinie) mit der Erstellung eines Prüfberichtes sowie die notwendige Erstellung einer EG-Entwurfsprüfbescheinigung (Modul B1))

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 28. Dezember 2010 um 17:12 Uhr